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Ein kurzer Abriss der Geschichte von Kühlenfels
erzählt im Jahre 1980 von Richard Hofmann

Ja......, so etwa 1000 Jahre sind wir alt......! Natürlich nicht jeder einzeln...., oder alle zusammen...., auch nicht der Verein...., sondern unser Dorf...., heute Kühlenfels genannt, früher als Chulm, Külmleins, usw. bezeichnet. Etwa 28 Sprachabwandlungen liegen seitdem geschichtlich vor. Unser Ort liegt auf dem kargen "Fränkischen Jura", ca. 425 m über dem Meeresspiegel (Lageplan).

Die ersten Besiedler vor einem Jahrtausend waren wohl nachgewiesenermaßen einige wenige Jäger und Fischer slavischen Ursprungs, die im heutigen Klumpertal ihrer Existenz nachgingen. Die Bayern und Franken fanden sich erst später von Süden und Westen her ein.
Der Klumperbach mit seinen umliegenden Wäldern und Höhenzügen wie reizvollen Felsengebilden bot Nahrung an Fischen und Wild genug, um sich sesshaft zu machen.

Heute ist Kühlenfels, kommunal zur Stadt Pottenstein gehörend, eingebunden in den Landkreis Bayreuth, ein Ort mit 450 Einwohnern, einem Schloß, einer Filialkirche, einer ansehnlichen 150 Jahre alten Lindenallee und vielen schmucken Häusern älteren und neueren Datums. Fischerei und Jägerei ist nicht mehr wie vor 1000 Jahren als Existenzgrundlage, sondern bestenfalls da und dort noch als Hobby anzutreffen. Selbst der Ackerbau, die heutige Landwirtschaft, spielt im dörflichen Geschehen fast keine Rolle mehr. Grund und Boden ist zu 80% an außerörtliche Betriebe verpachtet, die sich der heutigen EG-Agrarpolitik mit großen Mindestflächen stellen, so daß in absehbarer Zeit unser Dorf in diesem Bereich von Einheimischen nur noch gärtnerisch bewirtschaftet werden wird. Die Bevölkerung ist industrialisiert und bewegt sich vom Arbeitsmarkt her hauptsächlich im umliegenden ober- und mittelfränkischen Raum zwischen Pegnitz, Bayreuth, Nürnberg, Erlangen und Bamberg.


Die Zentren des Arbeitsmarktes erfordern eine hohe Mobilität, diese wird durch die Motorisierung erkauft und erreicht.
Um nochmals mit unserem Dorfnamen auf die Geschichte einzugehen, ist festzustellen, daß die erste Bezeichnung des Ortes "Chulm", zu deutsch Berg und slavischen Ursprungs war. Selbst der größte unter den Kulm's, der "Rauhe Kulm" in der nahegelegenen Oberpfalz, bezog seinen Namen auch von den Slaven, den ersten Besiedlern dieser Gegend, von den vielen kleinen Kulm's abgesehen, die noch in unserer unmittelbaren Nähe beheimatet sind.

Die beiden anderen Volksstämme faßten wahrscheinlich erst im 9. Jahrhundert hier Fuß, wobei die Bayern die ersten gewesen sein dürften, weil die damalige Christianisierung vom Bistum Eichstätt, also von Süden her erfolgte. Alle drei Stämme verschmolzen dann im Laufe der Zeit miteinander.

Unser Dorf liegt am Fuße eines leichten Nordhanges (Luftbild), dessen Ausläufer bis ins Klumpertal hineinreichen. Nach Süden von Waidach begrenzt, nach Osten, Westen und Norden umsäumt von kleinen Hügeln mit vorwiegend Fichten- und Kieferwäldern wie kleinen, engen, stillen Tälern. Das alles strahlt auch heute noch einen Hauch von Romantik, Ruhe und Geborgenheit für Erholungssuchende aus.
Höchst eigenwillige, teils bizarre Kalkstein-Felsengebilde mit größeren wie kleineren Höhlen erhöhen im Norden den besonderen Reiz dieser Miniatur-Gebirgslandschaft. Nicht umsonst hat der Dichter Viktor v. Scheffel (1826-1886) diese Gegend als Landschaftsgarten gepriesen. Auch heute noch ist sie eine reichhaltige Fundgrube seltener Flora für Wanderer und Urlauber.
Die Bewohner des Ortes waren bis zur Industrialisierung gegen Mitte unseres Jahrhunderts nicht sehr mit zeitlichen Gütern gesegnet, da dem kargen Juraboden mit kleinen landwirtschaftlichen Flächen die Existenz hart abgerungen werden mußte. Da war es schon gang und gäbe, sich im nahegelegenen Staatswald (früher Druffescher Schloßbesitz) das tägliche Kleinholz zu besorgen, um die kärgliche Brotsuppe anzuwärmen. Und wenn mal ein angekränkelter oder gesunder Schienbaum mitging, drückte der Förster wieder Schloßherr angesichts der Not der Menschen manches Auge zu. Der letzte noch lebende damalige Forstaufseher vom Forstamt Altenhof, der "Zapf'n Fritz", kann davon noch manche Anekdote von Schweißausbrüchen einiger Kühlenfelser erzählen.
Bis Ende des 2. Weltkrieges war auch so etwas wie eine kleine "Backschüssel-Industrie" im Ort entstanden. Diese aus Stroh und Holzschienen gefertigten Produkte wurden in der ganzen fränkischen Umgebung an die Bauern und Bäcker vertrieben. Selbst Nürnberg wurde damit früher per Schubkarren beliefert, wozu natürlich eine 2-Tage Reise nötig war. Diese Fertigkeit des Backschüssel-Bindens beherrscht heute im Ort nur noch der "Zimmerschusters Schorsch" (Georg Eckert), der sie gelegentlich innerhalb von Ausstellungen, wie in Berlin usw., vorführt. Der Zapf'n Fritz bäckt auch heute noch in seinem alten und einzigen Backofen des Dorfes sein unverfälschtes Bauernbrot aus Sauerteig, Mehl und Salz mit diesen Strohschüsseln. Eine Einkommensaufbesserung schuf man sich auch in den Nachkriegsjahren mit dem Stöcke-graben. Diese wurden klein gemacht und in die naheliegenden Städte als hochwertiges Brennholz verkauft.

Ebenso landeten in manchem Nobelhotel viele Waldbeeren und Pilze von Kühlenfelser Sammlern. Einen Bevölkerungszuwachs auf über 450 Einwohner, wie eine Blutauffrischung, erlebte Kühlenfels am Ende des 2. Weltkrieges mit den Vertriebenen und Flüchtlingen. Viele von ihnen blieben da, einige zogen weiter. In diesen Jahren mußte, wie in ganz Westdeutschland, näher zusammengerückt werden, und die sowieso nicht großzügig angelegten Häuser quollen vor Menschen und manchmal auch persönlicher Not über.

Heute nennt fast jeder ein Haus mit Garten oder Grundstück sein eigen, und es ist optisch leicht festzustellen, daß sich Grundlegendes geändert hat. Im Wirtschaftsaufschwung nach dem Kriege schwammen die Kühlenfelser kräftig mit, und zeitweise wurden im Ort fünf Wirtshäuser gezählt, was auf die Geselligkeit und auf den Durst seiner Bewohner schließen läßt. Heute sind es deren nur noch zwei, was aber nicht heißt, daß es den Menschen schlechter geht. Das allgemeine Wirtshaussterben aus vielerlei Gründen macht eben auch vor Kühlenfels nicht halt. Die jüngere Generation ist mit dem Motorrad oder Auto sehr mobil....und die ältere läßt sich zu Hause am Bildschirm unterhalten, was dem Zusammenwachsen der Generationen durchaus nicht immer dienlich ist. Wenn vor ein paar Jahren noch "Ritteressen" im alten Schloß (erbaut 1452) gehalten wurden, zu denen sich Politiker wie Vereine einfanden, um urig zu schmatzen, so ist das heute auch schon Vergangenheit!

Das Schloß mit seinen zwei Türmen, in seiner Geschichte durch viele adelige und andere Hände gegangen, steht wieder ruhig da und grüßt stolz den vom Klumpertal kommenden Wanderer, wie zu "Guttenberg's Zeiten". Das war nicht immer so: lange Jahre war das Schloss verpachtet und verfiel zusehends. Wenn etwas renoviert wurde, ließ der Stil zu wünschen übrig.
Der jetzige Besitzer Roland Pelz bewohnt das Schloss selbst, das er nach dem Kauf prächtig renovieren lies. Der Zufahrtsbereich wurde dabei um einen ansehnlichen Turm und ein Portal erweitert (Bild) sowie herrlicher Schlosspark angelegt (Bild).
Im Bauernkrieg 1525 wurde das Schloss geplündert und niedergebrannt. Die letzte Feuersbrunst mußte es 1972 über sich ergehen lassen, doch konnten die Außenmauern in ihrer ursprünglichen Form gerettet und erhalten werden.

Die Kirche neben dem Schloß ist spätbarocken Ursprungs, Filialkirche der Pfarrei Kirchenbirkig und war früher Schloßkapelle (Bild). Erst im Jahre 1748 wurde sie von den Guttenbergs erweitert. Die zwei alten Glocken im Kirchturm stammen aus dem 14. Jahrhundert und läuten noch heute zum Gottesdienst und Gebet. Nur durch die List einiger beherzter Dorfbewohner konnten sie während des 2. Weltkrieges vor dem Einschmelzen gerettet werden. Auf ständige Anfragen der damaligen Behörden wurde nämlich glaubhaft versichert, daß es sich nicht lohne, diese kleinen Glocken für ein bißchen Kanonenfutter vom Turm herunterzuholen. Das Wappen der "von Guttenbergs", die ab 1563 ganze 374 Jahre lang im Schloß residierten, ist in der Kirche noch heute erhalten. Die kleine alte Barockorgel wurde im Winter 1990/91 restauriert und neu eingeweiht.

Die "Külmeser" galten immer schon als ein gut aufgelegtes, lustiges Völkchen und sind es heute noch, was auch dadurch belegt wird, daß sich nicht weniger als zehn Vereine im Dorf tummeln.
Darüberhinaus ist besonders die Kirchweih mit dem Montagsumzug weitum bekannt (siehe auch Kultur->Kerwa). Da wird der "Betz" mitgeführt (Bild) und die jüngeren "Schoofmelker" fangen Mädchen ein (Bild) und rasieren sie, damit ihnen später keine Haare auf den Zähnen wachsen (Bild).
So drei bis vier Festzelte im Jahr sind keine Seltenheit und zeugen von der Munterkeit der Dorfbewohner. So war es denn auch kein Wunder, daß bei einer Frankenweinrunde Ende der 70er Jahre am Kachelofen im Petershof ein paar Genießer auf einen fast genialen Gedanken kamen. Man könne, so überlegte man sich, doch angesichts einer solchen Fülle von Historik in und um Kühlenfels nicht weiter zusehen, daß das Dorf in diesem Bereich weiter im "Dornröschenschlaf" liege. Nach intensiven Nachforschungen in der Geschichte wurde festgestellt, daß ein Alter des Ortes von 1000 Jahren leicht nachzuweisen ist. Angesichts der Tatsache, daß der berühmte Wallfahrtsort Gößweinstein 900 Lenze zählt, würde es nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht der "Külmeser" sein, diese Tatsache mitsamt ihrer Historie mittels einer 1000-Jahrfeier 1980 auch für den Rest der Welt gebührend herauszustellen. Die gute Kachelofenwärme, der edle Frankentropfen und die daraus resultierende gehobene Stimmung mögen wohl den Beschluß der drei beflügelt haben, einen Verein mit dem Namen: 1000-Jahre Kühlenfels zu gründen. Die drei waren übrigens : Willy Hofmann, Richard Hofmann und Kurt Macht!
Gesagt, getan, der Verein wurde in die Welt gesetzt mit dem Ziel, eine Feier zu organisieren, die dem Alter des Ortes wie der Selbstdarstellung seiner Bewohner gerecht werden sollte. Der Gedanke fand beim Großteil der Bevölkerung großen Anklang wie auch der Vorschlag, das 25-jährige Priesterjubiläum von Willy Hofmann, eines gebürtigen Kühlenfelsers, in das Fest mit einzubinden. Es wurde deshalb eine Ausstellung geplant, die das Dorf in seiner älteren bis neueren Entwicklung und Lebensart zeigen sollte. Was hier an alten Geräten, Bildern, Urkunden und Gegenständen zusammengetragen und vorgeführt wurde, übertraf alle Erwartungen. Das Ganze fand in einem ausgedienten Kuhstall mit Futterkammer auf dem Petershof seine Unterkunft, der eigens zu diesem Zweck hergerichtet wurde. Nach dem Motto "Alles, was das Dorf zu bieten hat" stellte sich bald heraus, welch talentierten Kräfte in ihm schlummerten. Die Musik für das Fest bestritten in der Hauptsache die ortsansässigen "Hauser-Buam" mit dem Siemers Hans und Lenz. Die vorgetragene "Muse" stammte aus der Feder von Willy und Richard Hofmann sowie Kurt Macht. Gedichte wurden geschrieben, Verse aus dem lokalen Geschehen des Dorfes geschmiedet und eigene Lieder komponiert, wovon wohl heute noch das Hosenträgerlied: Wo's koost denn do, dazu bluß sog'n..., ma müßat halt an Husnträger trog'n...., am häufigsten erklingt.
Selbstverständlich wurde das dazu gehörende "Relikt" aus schwarzem Samt mit der eingestickten fränkischen Silberdistel kreiert. Und jeder der etwas zu bieten hatte, arbeitete und machte kräftig mit. Das Dorf wurde aufgeputzt, die Reklametrommel gerührt, Presse, Rundfunk und Fernsehen wurden eingeschaltet und im Juli
1980 war es dann soweit: die 1000-Jahrfeier stieg und es regnete, es regnete und regnete...!
Es goß so in Strömen, daß beim Festzug ums Dorf Kühlenfels in seiner tausendjährigen Geschichte noch nie so viele Regenschirme gesehen hatte. Das hinderte die Menschen aber in keiner Weise daran, dabei zu bleiben. Da die Veranstaltung ursprünglich im Freien stattfinden sollte, platzte das sicherheitshalber aufgestellte Festzelt aus allen Nähten. Wie gut, daß die Ausstellungen der Dorfbewohner im Kuhstall und im Schloß, wo Arno Macht und Willy Hofmann Bilder ausstellten und verkauften, viele anlockten und aufnahmen. Die Zimmerschurster's Res und Hannser's Anni und Frenzi bruzzelten im Peters Haus frische "Küchla" (Bild), der Zapf'n Fritz und Peter fertigten in ihrem alten Backofen erstklassiges Bauernbrot und der Zimmerschusters Schorsch demonstrierte, wie früher "Schien" gemacht und Backschüsseln gebunden wurden. Daneben zeigte Richard Hofmann mittels Film- und Fotoaufnahmen aus der Luft das Dorf und seine Umgebung. Arno Macht und Christof Bager führten Farbdias mit heimatlichen Schönheiten des Ortes und der Natur vor.
Für den Gedanken des Umweltschutzes wie den des Lebensbaumes und des Platzes der früheren Gerichtsbarkeit pflanzten die drei Dorfältesten inmitten des Dorfes eine Linde (Bild), nach dem englischen Lordkanzler "Thomas Morus" benannt, dessen berühmtes Gebetbuch hier im Schloß gefunden wurde. In alter heimischer fränkischer Tracht zeigten Frauen am Spinnrad ihr Können, kurzum, wie die guten alten, gesunden Schafwollsocken früher entstanden. Frisch ausgebuttert wurde natürlich auch, und mit den Kleinen veranstaltete man im Schloßhof Kurzweil-Spiele. Aus Nah und Fern lockte die 1000-Jahrfeier soviele Menschen an wie nie zuvor.

Presse, Rundfunk und Fernsehen waren auf den Beinen, um über die Selbstdarstellung der Kühlenfelser zu berichten. Das in dieses Fest eingebundene 25-jährige Priesterjubiläum von Oberstudienrat Willy Hofmann bereicherte das Geschehen zusätzlich. Den Festgottesdiest im Zelt beendete er damit, daß er das Priestergewand am Altar auszog und verbindend feststellte: "So, und nun gehen wir nahtlos in den gemütlichen Frühschoppen über....!" Was den Bundestagsabgeordneten Ortwin Lowack zu der Bemerkung veranlaßte: "Da soll mal einer sagen, daß in Külmers die Kirche und das Wirtshaus nicht am rechten Fleck stehen!" Landrat Dr. Dietel ließ es sich nicht nehmen, gleich an zwei Tagen zu kommen. Natürlich war auch der hier gebürtige Landtagsabgeordnete Dr. Christof Maier als Ehrengast präsent.